Sechstes Gebot | Digitalisierung und gerechter Frieden

Digitale Waffen: Gerechter Frieden ist die Antwort

Sechstes Gebot: Du sollst nicht töten.

Von Hackerangriffen bis zu vermeintlich „autonomen“ Waffensystemen: Digitale Technologien ermöglichen neue Formen von Krieg, Gewalt und Überwachung. Müssen wir das akzeptieren? Und wie können wir uns schützen, wenn wir selbst zum Angriffsziel werden?

© EKD | iStock.com/Laurence Dutton

Von Hackerangriffen bis zu vermeintlich „autonomen“ Waffensystemen: Digitale Technologien vervielfältigen auch die Möglichkeiten, Gewalt auszuüben. Militär und Polizei nutzen dies genauso wie Terrorist:innen und Verbrecher:innen. Das fordert heraus: Welche Möglichkeiten der digitalen Militärtechnik oder der polizeilichen Überwachung soll der Staat nutzen? Evangelische Kirche und Friedensethik steuern zur Klärung das Leitbild des gerechten Friedens bei. Dieses Leitbild ist als konstruktive Konsequenz aus dem Tötungsverbot der zehn Gebote zu verstehen.

Das sechste Gebot schreibt vor, nicht zu töten. Zunächst galt dies nur für die Angehörigen der eigenen Gemeinschaft, wurde aber bald ausgeweitet: Du sollst keinen Menschen töten. Das setzt der Gewalt eine klare Grenze und schützt Freiheit, denn: Gewalt eskaliert schnell und auf Gewalt folgt oft Gegengewalt. In dieser Dynamik geht Freiheit verloren.

Gerechter Frieden: Die Antwort auf immer neue Waffen

Das Tötungsverbot und andere biblische Texte erzählen davon, wie Menschen diese Dynamik der Gewalt unterbrechen können. Das Leitbild des gerechten Friedens macht konkret, wie Gewaltunterbrechung heute aussehen kann. Grundidee dieses Leitbildes ist es, die richtigen Fragen zu stellen: nicht als erstes zu fragen, ob Menschen zu den Waffen greifen dürfen, sondern den Blick zu weiten: Wie können wir Konflikte gewaltfrei lösen? Wie können wir einen gerechten Frieden sichern?

Ein Problem der Diskussion digitaler Gewalt ist, dass immer wieder die Weite des Blicks des gerechten Friedens verloren geht. Diese Orientierung und Gewalt zu unterbrechen – daran gilt es aber gerade unter digitalen Bedingungen festzuhalten. Drei Schlaglichter dazu: 

1. Es gibt große Unterschiede zwischen Hackerangriffen. Die Bandbreite reicht von Protestaktion über Cybercrime bis zu Spionage, Terrorismus und Cyberkrieg. Dabei stehen auch Menschenleben auf dem Spiel, etwa wenn sich der Angriff gegen ein Krankenhaus richtet. Bei all dem immer und unterschiedslos vom Cyberkrieg zu reden, ist nicht sinnvoll. Gerade weil die drängende Frage lautet: Wer schützt uns vor solchen Angriffen? Darauf nur mit „Polizei und Militär“ zu antworten, verengt den Blick. Vieles spricht für zivile digitale Sicherungsstrategien, die von menschenrechtlichen Vorgaben ausgehen.

„Autonome“ Waffen: Wer trägt die Verantwortung?

2. Autoregulative Waffensysteme, meist irreführend als „autonom“ bezeichnet, wählen ihre Ziele selbst aus und greifen an – ohne menschlichen Eingriff. Diese technische Möglichkeit wird kontrovers diskutiert. Manche betonen den Vorteil, dass solche Systeme zielgenauer auswählen könnten. Kritiker:innen verweisen auf das Problem der Verantwortung. Autoregulative Waffensysteme hätten keine menschliche Urteilskraft und wären anfällig für Hackerangriffe. Wo sie eingesetzt werden, schaffen sie ein Bedrohungsszenario, das es erschwert, gerechten Frieden zu schaffen. Insofern ist die Bemühung um eine Ächtung tödlicher autoregulativer Systeme plausibel, auch wenn die Debatte noch keinesfalls als abgeschlossen gelten kann.

3. Digitale Technologie ermöglicht in der polizeilichen Verbrechensbekämpfung und -prävention, mehr zu überwachen und Überwachungsdaten auszuwerten. Vieles daran ist problematisch. Es ist etwa nicht belegt, dass Überwachungsmaßnahmen tatsächlich die Sicherheit erhöhen. Und Polizei und Justiz können die auch gesellschaftlichen Ursachen für kriminelle Gewalt nicht allein durch neue Technik bekämpfen.

Video-Gespräch

Veranstaltung zum Sechsten Gebot

Die weltweite digitale Vernetzung führt zu neuen Typen von Gefährdungen. Kriminelle Machenschaften und Konflikte gestalten sich auch jenseits des Privaten anders als herkömmlich. Dies durchwirkt die menschlichen Muster von Gewaltanwendung und -erfahrung und die entsprechenden Rollen- und …

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