Drittes Gebot | Digitale Religiosität: Wo ist der Glaube im Internet?

Digitale Religiösität: Wo ist der Glaube im Internet?

Drittes Gebot: Missbrauche nicht den Namen Gottes.

Digitaler Gottesdienst und Twitter-Andacht: Die Digitalisierung gibt der Kirche neue Möglichkeiten, mit den Menschen in Dialog zu treten.

© EKD | iStock.com/Cecilie_Arcurs

Das Internet ist voller Religion. Das stimmt umso mehr, wenn wir bei Religion nicht nur an Beten, heilige Bücher und heilige Orte denken. Manche Theolog:innen meinen sogar: Religion oder Religiöses ist überall da, wo es um die tiefgründigen Fragen des Lebens geht: Wer bin ich? Was ist der Sinn des Lebens? Wie gehe ich damit um, dass vieles im Leben Zufall ist? Wie gehe ich mit Tod, Trauer, Glück oder Liebe um?

So gesehen sind das Internet und die sozialen Medien voller Religion. Die verfassten Kirchen beginnen zu verstehen: Religion kommt nicht erst ins Spiel, wo Pfarrpersonen Antworten suchen oder digitale Andachten anbieten. Religion ist im Netz da, wo immer sich Menschen über die tiefgründigen Fragen des Lebens austauschen.

Digitalisierung fordert Glaube und Kirche heraus

Wie gehen wir mit unseren religiösen Fragen im Netz um? Das dritte Gebot hilft, darüber nachzudenken. Es lässt sich heute so verstehen: Beruf dich nicht zu schnell und zu selbstsicher auf Gott, wenn du von dir selbst und deinen Ansichten erzählst. Bleib offen für den Gedanken, dass Gott selbst frei ist. Und dass andere frei darin sind, Gott zu suchen oder Gott anders zu verstehen als du selbst. Das gilt auch für die Kirchen und ihre Vertreter:innen. 
Sie werden sich mehr mit dem Gedanken beschäftigen, dass und warum sich Religiosität im Netz ganz eigene Wege sucht. Digitale Techniken bieten viele neue Möglichkeiten, Religion zu erleben – allein oder mit anderen zusammen: Möglichkeiten, sich auszutauschen, Beziehungen zu knüpfen, an Debatten teilzunehmen oder religiöse Rituale mitzugestalten. Deshalb bieten sie auch neue Möglichkeiten, Kirche zu sein – organisiert von den verfassten Kirchen, zusammen mit der verfassten Kirche oder eben auch ganz unabhängig davon.

Digitale Kirche kann viel mehr Menschen einbeziehen

Das Internet ist auch voller Kirche: Die Evangelische Kirche präsentiert sich dort mit Homepages, Social Media-Angeboten oder Online-Gottesdiensten. Gleichzeitig sind im Internet neue Formen von Kirche entstanden, „digitale Kirche“ sozusagen: Sprache, Form und Inhalt passen hier zum digitalen Medium. Ein Beispiel: Twitterandachten wie #twomplet. So entstehen neue Formen von Kirche. 

Zu Beginn der Corona-Pandemie, während der ersten Kontaktbeschränkungen, haben viele Kirchengemeinden den digitalen Raum für ihre Gottesdienste entdeckt. Daraus entstanden Lernprozesse: Anfangs stellten viele digitale Angebote Pastor:innen in den Mittelpunkt. Das änderte sich. Schließlich können Gottesdienste im Internet mehr Personen mit einbeziehen. Menschen können viel leichter an ihnen teilnehmen: ein Klick und sie sind drin. Zudem entstanden wichtige Anfragen an die Institution Kirche, die sie weiter diskutieren wird: Wie kann das Abendmahl digital neu gefeiert werden? Welche Rolle spielt körperliche Anwesenheit für Gemeinschaft? 

Video-Gespräch

Veranstaltung zum Dritten Gebot

Neue digitale Kommunikationsmöglichkeiten stellen das klassische Modell von Sender und Empfänger in der öffentlichen Kommunikation auf den Kopf. Was öffentlich ist und was privat ist, ist durchlässiger geworden. Mit dieser Erkenntnis lohnt sich auch ein Blick auf die kirchlichen Ordnungen. Wer …

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