Viertes Gebot | Digitale Arbeit: Freie Zeit haben, um Freiheit zu finden

Digitale Arbeit: Freie Zeit haben, um Freiheit zu finden

Viertes Gebot: Heilige den Feiertag.

Digitale Technologien machen unser Leben flexibler. Nur: Wenn wir immer und von überall arbeiten können: Wann haben wir dann wirklich frei? Wie wir auch in einer digitalen Welt Zeit für uns und andere bewahren.

© EKD | iStock.com/Dean Mitchell

Sonntags nochmal kurz die dienstlichen Mails checken, abends ruft die Chefin auf dem Smartphone an und nachts kann man auf dem Heimweg noch schnell online einkaufen. Digitale Technologien lassen die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verwischen. Das ist seit Beginn der Corona-Pandemie noch deutlicher geworden. Plötzlich konnten viele flexibel von zu Hause arbeiten. Das Internet macht‘s – je nach Zugang – mehr oder weniger möglich.

Einerseits wird im digitalen Wandel so mehr Freiheit und Selbstbestimmung möglich. Menschen können flexibler einteilen, wann sie von wo arbeiten. Das kann es leichter machen, Arbeit, Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen unter einen Hut zu bringen. Andererseits kann so die Freiheit von verlässlicher und gemeinsamer freier Zeit verloren gehen.

Gesetze müssen unsere freie Zeit schützen

Das biblische Sabbatgebot erinnert daran, wie wichtig Zeitrhythmen sind: Das Leben kann nicht nur aus Arbeit bestehen. Arbeit und Freizeit sollten sich abwechseln. Das Sabbatgebot im Alten Testament schützte das Recht auf arbeitsfreie Zeit für alle, für Mensch und Tier. Das war einmalig in der damaligen Zeit. In der Mitte aller Verpflichtungen und To-Do-Listen ermöglicht ein regelmäßiger freier Tag allen die Erfahrung: Ich bin frei!

Deshalb müssen Gesetze und selbstverständliche Gewohnheiten die Freiheit des freien Tages schützen. Wenn jede:r allein verantwortlich ist, arbeitsfreie Zeit einzufordern, sind wir weniger gut gegen den Druck und die Versuchung geschützt, doch mehr zu arbeiten. Wenn jede:r allein über die eigene Freizeit entscheidet, ist die arbeitsfreie Zeit vielleicht keine gemeinsam freie Zeit in Freundschaften und Familien.

Flexibler bedeutet nicht immer freier

Deshalb ist es gut, wenn Gesetze und Gewohnheiten einen freien Tag schützen. Auch nach christlichem Verständnis ist dieser freie Tag zum Wohle von Mensch und Tier da und kein Selbstzweck. Der Sonntag ist ein Zeitraum, in dem wir uns als frei erfahren können, in dem wir erleben können, wie sich Selbstbestimmung anfühlt – das gilt es zu schützen. Gleichzeitig kann dieser Schutz selbst so flexibel sein, dass er selbst nicht wieder unfrei macht.

Digitale Technologien ermöglichen mehr Flexibilität in der Arbeitswelt. Das verändert den Rhythmus von freier Zeit und Arbeit – darüber gilt es gemeinsam nachzudenken: Als Konsument:innen finden viele es gut, auch sonntags und nachts einkaufen zu können. Als Angestellte haben oft dieselben Menschen ein berechtigtes Bedürfnis nach freier Zeit, auch von Konsum freier Zeit. Beide Perspektiven müssen zusammenkommen. Dafür bieten auch soziale Netzwerke eine Chance.

Der Sonntag ist ein besonderer Tag. Die Kirchen sehen sich dazu beauftragt, dafür zu sorgen, dass das so ist und bleibt. Die traditionellen Gottesdienste machen für manche den Sonntag zu einem besonderen Freiheitstag. Zusätzlich dazu gilt es, zusammen mit anderen gesellschaftlichen Akteur:innen neue Angebote für den Sonntag zu entwickeln, auch in der digitalen Welt. Auch zusammen mit anderen, etwa mit den Sport- oder Wandervereinen. 

Highlights aus der Veranstaltung zum Vierten Gebot

Die Digitalisierung fordert dazu heraus den Individualisierungstrend, der durch neue Formen der Arbeit verstärkt wird, mit den sozialen Bedürfnissen einer Gesellschaft in Einklang zu bringen. Wo müssen wir klare Grenzen ziehen und wo brauchen wir für die Arbeit der Zukunft neue Formen und Flexibilität?

zum gesamten Veranstaltungsrückblick

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