Zehntes Gebot | Digitaler Konsum: Lebe deinen Traum – rücksichtsvoll

Digitaler Konsum: Lebe deinen Traum – rücksichtsvoll

Zehntes Gebot: Begehre nicht, was zu deinem Mitmenschen gehört.

Kaufen, bewundern und bewundert werden – das Internet ist ein Sehnsuchtsort. Es kann unsere Bedürfnisse in Sekundenschnelle erfüllen, aber auch abhängig und unglücklich machen. Wenn wir das zulassen.

© EKD | iStock.com/kovaciclea

Sehnsucht gehört zum Leben. Davon erzählt auch schon die Bibel: Die menschliche Seele sehnt sich nach Schönheit, nach Nähe und Beziehungen, nach Liebe, nach Sex, nach Kreativität, nach Gott. Erstmal sehen die Texte der Bibel in dieser Sehnsucht auch nichts grundsätzlich Falsches: Sehnsucht gehört zu den Menschen, wie Gott sie gemacht hat. Gefährlich wird es, wenn Menschen so sehr von einer Sehnsucht getrieben sind, dass sie alles und alle anderen vergessen.

Wer so sehr sehnt, dass sie oder er die Rücksicht verliert, gefährdet andere. Davor warnt das zehnte Wort. In heutige Sprache übersetzt, könnte man es so verstehen: Wenn du dich nach etwas sehnst, pass auf, dass du nicht die Lebensgrundlagen und die Freiheit anderer gefährdest. Lass den anderen ihre Freiheit, ihr Sehnen, ihre Freude. Rücksichtsvoll sehnen – das ist gerade auch im Internet wichtig. 

Online-Shopping: Nicht alles muss gleich verfügbar sein

Im Online-Shopping ist fast alles jederzeit schnell verfügbar. Nach wenigen Mausklicks bringt ein Paketdienst die ersehnte Hose, das Smartphone oder Buch schon morgen oder gar schon heute. Einerseits ist das praktisch. Andererseits setzt das Handel und Produzierende unter Druck, den sie an ihre Mitarbeiter:innen und Zuliefer:innen weitergeben. Niedriglöhne, unmögliche Arbeitszeiten, mehr Belastung für Mensch und Natur – das können die Folgen der Sehnsucht sein. Gleichzeitig bieten digitale Medien die Chance, sich besser über Lieferketten, Arbeitsbedingungen und CO2-Ausstoß zu informieren und entsprechend rücksichtsvoll einzukaufen. Auch nachvollziehbare Labels auf Produkten können eine verantwortliche Kaufentscheidungen fördern. Diese Chance gilt es zu nutzen.

Werbung braucht gesetzliche Schranken

In Zeiten von Algorithmen und Big-Data ist Werbung zielgenau geworden. Ich habe gerade nach Staubsaugern oder Mallorcareisen gesucht? Zack, kommt die passende Anzeige. Das verstärkt die Sehnsucht. Und es bindet mich an das Shopping-Portal, das meine Sehnsüchte vermeintlich am besten kennt. So entsteht Abhängigkeit, also: Unfreiheit. Hier sind Politiker:innen und Unternehmer:innen in der Pflicht, ein rücksichtsvolles Sehnen zu ermöglichen – etwa durch besseren Datenschutz. Ein Schritt in die richtige Richtung: Verkaufs- und Vergleichsportale und Influencer müssen inzwischen kennzeichnen, was bezahlte Werbung ist.

Nobody is perfect. Wozu auch?

In sozialen Medien können Nutzer:innen ständig sehen, was sie alles sein könnten und wie andere sich zeigen: schön, anders, kreativ, erfolgreich, verletzlich, wütend, traurig, lustig, beliebt, mit über 100.000 Followern und entsprechend vielen Likes. Das kann befreien und gut sein: Man findet Leute, die genauso sind wie man selbst, erfährt Wertschätzung, findet Freund:innen, das Selbstbewusstsein wird stärker.

Doch dieser Markt der Möglichkeiten kann auch rücksichtslos und unfrei machen: Der ständige Vergleich mit den Reichen, Schönen und vermeintlich Perfekten macht unglücklich. Der Kampf um Anerkennung fordert Opfer, nicht zuletzt in Shitstorms. Es gilt auch im digitalen Netz, mit der eigenen Sehnsucht nach Anerkennung verantwortlich umzugehen und sie nicht auf Kosten anderer auszuleben. Das gehört zum Freisein. Christ:innen glauben, dass Menschen weder perfekt sein müssen noch können. Der Glaube befreit vom Perfektionsdruck.

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Veranstaltung zum Zehnten Gebot

Das "world wide web" verknüpft eine unüberschaubare Vielzahl von Angeboten zu idealen und absoluten Entwürfen von Besitz, aber auch von Eigenschaften oder Merkmalen, denen sinnstiftender Inhalt zuwächst. Aus der Chance zur Selbstexpressivität ist längst die subjektive Notwendigkeit geworden, ein*e …

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